Endoskopie Chirurgie München
Fachärztliche Praxis Barbara Herter
 
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Spektrum

Refluxkrankheit

Reflux-KrankheitBei der Refluxkrankheit handelt es sich um die häufigste gutartige Erkrankung des oberen Magen-Darm-Traktes in der westlichen Welt. Ca. 10-25 % der Bevölkerung hat mehr oder weniger häufig typische Refluxsymptome wie saures Aufstoßen und Sodbrennen. Die genauen Ursachen der Refluxkrankheit sind unbekannt, sie ist jedoch häufig mit einem Zwerchfellbruch kombiniert. Aufgrund des ungenügenden Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen gelangt Magensäure in die Speiseröhre, diese ist der Säure ungeschützt ausgesetzt und verursacht die typischen Beschwerden (GERD, gastro-esophageal reflux disease). Als Folge der chronischen Säureexposition kommt es zu Entzündungen der Speiseröhre. Gelegentlich entwickeln Patienten mit Refluxkrankheit durch den immer wiederkehrenden Säurekontakt der Speiseröhren-Schleimhaut die sog. Barrett-Speiseröhre. Hierbei finden sich in der Speiseröhre Zellen, wie sie normalerweise nur in der Magenschleimhaut vorkommen.

Reflux Erkrankung Magen Darm TraktDer Barrett-Ösophagus ist eine gutartige Speiseröhrenerkrankung, es besteht jedoch ein leicht erhöhtes Risiko an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Weitere Komplikationen stellen die peptische Ösophagusstenose und das Ösophagusulkus dar, dies macht sich klinisch häufig durch Schluckbeschwerden bemerkbar. Krankheitsfördernde Faktoren sind unter anderem Übergewicht, übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum sowie eine Bindegewebsschwäche.
Um zu verhindern dass Säure in die Speiseröhre gelangt, können säurehemmende Medikamente verabreicht werden. Die Ursache der Krankheit (schlechter Verschluss zwischen Speiseröhre und Mageneingang) wird dadurch allerdings nicht beeinflusst. Nur durch eine operative Korrektur des Überganges zwischen Speiseröhre und Mageneingang wird auch die mechanische Komponente der Erkrankung angegangen. Hierbei muß kein Gewebe der Speisröhre oder des Magens entfernt werden, sondern durch eine Einengung der Zwerchfelllücke und die zusätzliche Bildung einer Manschette aus dem Magen um den untersten Speiseröhrenanteil wird der ursprüngliche Verschlussmechanismus wiederhergestellt. Diese verhindert ein Zurückfließen von Magensäure in die Speiseröhre und somit auch die Speiseröhrenentzündung. Die Operation wird bei uns routinemäßig durch Bauchspiegelung (laparoskopisch) durchgeführt.

Beschwerden (Symptome)

Reflux Beschwerden SymptomeSichere Zeichen für eine Refluxkrankheit sind saures Aufstoßen, Sodbrennen sowie brennende Schmerzen hinter dem Brustbein. Bei fortgeschrittener Entzündung können aber auch Schluckbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Rückfluss von Magensäure oder Nahrungsbestandteilen bis in den Hals oder Mundbereich (v.a. im Liegen) mit Hustenanfällen, Verschlucken, Luftaufstoßen und Schmerzen im Oberbauch auftreten. Es ist wichtig zu wissen, dass die Symptome häufig nicht mit dem Schweregrad der Speiseröhrenentzündung einhergehen. Durch Vernarbungen können trotz schwerer Entzündung nur geringe Beschwerden bestehen. Bei schwersten Speiseröhrenentzündungen besteht eine bis zu 10-prozentige Gefahr, dass innerhalb von 10 Jahren die Erkrankung bösartig wird. Falls die Beschwerden länger als 2-3 Monate anhalten, sollte eine Magenspiegelung durchgeführt werden. Eine weitere wichtige Abklärung ist die Messung der Säure ( ph-Metrie) und der Druckverhältnisse ( Manometrie) in der Speiseröhre während 24 Stunden. Durch diese Abklärungen können die Schwere der Schleimhautentzündung, eine Übersäuerung und Entzündung v.a. des unteren Speiseröhrenanteiles beurteilt werden. Ferner ist es möglich, die Beweglichkeit und die Kraft der Speiseröhrenmuskulatur zu bestimmen. Dies ist wichtig für die Wahl des optimalen Behandlungsverfahrens.

Diagnostik

  • Upside-Down Magen KontrastuntersuchungÖsophago-Gastro-Duodenoskopie (Magenspiegelung)
  • Oberbauchsonogramm
  • Ösophagusmanometrie (Motilitätsstörung,Sphinkter?)
  • Ösophagus pH-Metrie (pathologischer Reflux?)
  • Kontrastmitteldarstellung der Speiseröhre

Abbildung: Upside-Down-Magen Kontrastuntersuchung(Quelle: Bumm MRI/C)

Therapie

Konservative Therapie
Wird bei der Endoskopie eine Refluxösophagitis (Speiseröhrenentzündung) festgestellt, so wird in der Regel ein 4-6 wöchiger Behandlungszyklus mit einem Protonenpumpenhemmer zB. Omeprazol erfolgen. Rezidiviert die Refluxösophagitis chronisch trotz Allgemeinmaßnahmen, so sollte eine genaue Befunderhebung und ggf. die Indikation zur chirurgischen Therapie gestellt werden.
Die Therapie der akuten Beschwerden erfolgt stets durch Medikamente (Säurehemmer). Außerdem physikalische Maßnahmen wie Oberkörper-hochlagerung nachts, sowie Vermeiden größerer Nahrungs- oder Flüssigkeitszufuhr vor dem Schlafengehen. Längerfristige Maßnahmen sind die Reduktion von Übergewicht, eine Alkohol- und Nikotinabstinenz. Nach Absetzen der Medikamente kommt es jedoch bei ca. der Hälfte der Patienten zu einem Rückfall der Krankheit. Viele Patienten benötigen deshalb eine lebenslange medikamentöse Therapie.

Operative Therapie
Die Indikation zur chirurgischen Therapie besteht bei rezidivierender Refluxkrankheit mit entsprechendem Leidensdruck des Patienten. Bei schneller Beschwerdefreiheit unter einer Behandlung mit z.B. Omeprazol, kann mit einem guten Operationsergebnis (Wirken der Fundoplikatio) gerechnet werden. Ein Barrett-Ösophagus wird durch die chirurgische Therapie nicht verhindert oder rückgebildet, es können jedoch weitere Entzündungen der Speiseröhre verhindert werden und somit das Risiko einer Verschlimmerung vermindert werden.
Ziel der Operation ist es eine Druckerhöhung im Bereiche des Überganges zwischen Speiseröhre und Magens zu erreichen. Dies erfolgt durch eine Manschettenbildung aus dem obersten Magenanteil welche um den untersten Speiseröhrenabschnitt gelegt wird. Dadurch wird verhindert, dass Magen- und Gallensäure vom Magen in die Speiseröhre gelangen und hier eine Entzündung verursachen. Die oben erwähnte Manschettenbildung erfolgt bei uns durch die sogenannte laparoskopische (auf Minimal Invasivem Wege) Fundoplicatio nach DeMeester oder Toupet.
Über einen kleinen Einschnitt oberhalb des Bauchnabels wird ein optisches Gerät (Laparoskop), an dessen Ende eine kleine Videokamera und eine Lichtquelle sitzen, in die Bauchhöhle eingeschoben. Über weitere Öffnungen werden benötigte Instrumente eingeführt. Um den Einblick zu verbessern, wird der Bauchraum mit CO2-Gas aufgebläht. Das Bild der Mini-Kamera wird live auf einem Monitor dargestellt. Insgesamt benötigt man fünf 5-10 mm kleine Schnitte über welche die Arbeitsinstrumente in den Bauchraum eingeführt. Der Eingriff erfolgt in Narkose. Die Operation ist technisch anspruchsvoll und sollte deshalb nur von laparoskopisch sehr erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden

Prognose

Meistens verlassen die Patienten das Krankenhaus bereits 5-7 Tage nach der Operation und können (je nach körperlicher Belastung) nach 10-14 Tagen wieder arbeiten. Nach der Operation treten normalerweise keine Refluxbeschwerden mehr auf. Da die Operation laparoskopisch durchgeführt wird, entstehen nur kaum sichtbare Narben. Aufgrund der chronischen Schleimhautschädigung vor der Operation, sollte auch nach der Operation in regelmäßigen Abständen eine Magenspieglung zur Verlaufskontrolle erfolgen.

Hinweise: Vor der Operation: Gegebenenfalls müssen Medikamente, die die Blutgerinnung stören, beispielsweise Aspirin® oder Marcumar®, vor der Operation abgesetzt werden. Dies geschieht immer in Rücksprache mit dem Arzt.