Endoskopie Chirurgie München
Fachärztliche Praxis Barbara Herter
 
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Spektrum

Bauchwandbruch, Narbenbruch Leistenbruch ( Hernien)

Bei einem Bruch (Hernie) gelangen Bauchorgane durch eine Spalte (Bruchpforte) innerhalb der Bauchdecke in eine Ausstülpung (Bruchsack), die mit Bauchfell, ausgekleidet ist. So kann Darm oder anderes Gewebe in die Lücke gezwängt werden und die Durchblutung vermindert oder unterbunden werden. Es kann zu einem Darmverschluss (Ileus) kommen, es besteht die Gefahr, dass durch die Gewebeschädigung ein Darmdurchbruch mit Austritt von Darminhalt und nachfolgender Bauchfellentzündung (Peritonitis) verursacht wird. Eine solche Bauchfellentzündung ist lebensbedrohlich.

Bauchwandbrüche können entweder angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein. Eine Bruchbildung ist unter anderem häufig bei wiederholter Bauchpresse durch chronische Verstopfung, bei erhöhtem Druck im Bauchraum oder bei ständigem Hochheben schwerer Gegenstände. Brüche findet man vor allem dort, wo erschlafftes, instabiles oder vorgeschädigtes Gewebe in der Bauchdecke besteht.

In der Bauchwand gibt es mehrere Arten von Hernien:

Bei einem Nabelbruch befindet sich die Bruchpforte direkt im Bauchnabel oder in unmittelbarer Nähe. Diese Form tritt häufig bei dickleibigen Frauen, die mehrmals schwanger waren, auf.

Ein Oberbauchbruch befindet sich im oberen Bereich der Bauchwand zwischen Bauchnabel und Brustbein.

Eine andere Ursache besteht bei einem Narbenbruch. Nach jeder Operation im Bauchraum entsteht eine mehr oder weniger große Narbe. Treten die durchtrennten und vernähten Bauchmuskeln wieder auseinander, können sich Eingeweide in die Lücke hineinschieben.

Eine weitere Form eines Eingeweidebruchs stellt der Leistenbruch dar, der an anderer Stelle besprochen wird. Leistenbrüche treten insgesamt häufiger als Bauchwandbrüche auf.

Symptome

Bemerkt wird eine meist weichliche Schwellung an der jeweiligen Stelle der Bauchwand. Beim Husten oder bei der Bauchpresse tritt die Schwellung weiter hervor. Vor allem bei Einklemmung können mehr oder weniger starke Schmerzen bestehen.

Therapie

Konservative Therapie
Nichtoperative Behandlungsmethoden wie beispielsweise das Anlegen eines Stützkorsetts oder eines strammen Bruchbands besitzen keinen Nutzen, können jedoch sogar weitere Schäden durch Schwächung der Muskulatur verursachen. Ohne operative Behandlung bleibt eine Bruchpforte offen.

Operation

Die operative Therapie ist die einzige Maßnahme, die erfolgversprechend ist. Bei minderdurchbluteten eingeklemmten Darm- beziehungsweise Eingeweideabschnitten besteht ein Notfall, der umgehend einer Operation bedarf. Rezidive, also Brüche, die nach einer vorangegangenen Hernien-OP wieder auftreten, werden ebenso behandelt wie erstmalige Brüche. 
Die Bruchoperation erfolgt entweder in Vollnarkose oder in Regionalanästhesie, also in Betäubung eines größeren Körperbereiches.
Prinzipiell muss der Inhalt des Bauchwandbruches zurückgeschoben werden und die Bruchstelle so verschlossen werden, dass an dieser Stelle kein Wiederholungsbruch entsteht.

Offener Bauchwandbruchverschluss
Bei der offenen Operation mittels Bauchschnitt wird der Bruchsack freigelegt. Die Bruchpforte wird aufgesucht und der Bruchinhalt wieder in den Bauchraum versetzt. Manchmal müssen Gewebeanteile entfernt werden. Bei bestimmten Zuständen muss auch ein Zugang zur Bauchhöhle über einen Schnitt geschaffen werden, wie beispielsweise bei einem durch mangelnde Blutzufuhr geschädigtem Darmanteil, der entfernt werden muss und daraufhin die gesunden Schnittränder vernäht werden müssen. Es folgt ein Verschluss der Lücke (Bruchpforte). Dazu bestehen mehrere Möglichkeiten. In seltenen Fällen bei kleinen, spannungsfreien Lücken reicht lediglich eine direkte Naht der jeweiligen Schichten der Bauchdecke aus. Bei der Fasziendoppelung wird die Muskelhülle (Faszie) an den Rändern überlagernd vernäht. Es ergibt sich ein vergrößertes vernarbtes Areal und somit eine erhöhte Festigkeit.

Ist die Hernie ausgedehnter, so muss sie mit zusätzlichem eingenähtem Material verstärkt werden. Verwendet werden entweder Fremdmaterialien wie beständige Kunststoffnetze. Die spezielle Netzstruktur begünstigt das Einwachsen von Gewebe durch die einzelnen Maschen, so dass es nach kürzester Zeit zu einem vollständigen bindegewebigem Durchbau des Netzes kommt und dieses als außerordentlich robustes und tragfähiges "Ersatzgewebe" für den Bauchwanddefekt bzw. den Leistenbruch dient.

Minimalinvasiver, Laparoskopischer Bauchwandbruchverschluss
Liegen im Operationsgebiet keine Voroperationen mit starken Verwachsungen vor kann der Bruchverschluss auch minimalinvasiv erfolgen. Über einen kleinen Bauchschnitt wird dabei ein optisches Gerät (Laparoskop), an dessen Ende eine kleine Videokamera und eine Lichtquelle sitzen, in die Bauchhöhle eingeschoben. Über weitere Öffnungen werden bestimmte benötigte Instrumente eingeführt. Insgesamt werden drei kleine 5-10 mm große Hautschnitte benötigt. Um den Einblick zu verbessern, wird der Bauchraum mit CO2-Gas aufgebläht. Das Bild der Mini-Kamera wird live auf einem Monitor dargestellt und der Opertuer kann den gesamten Bauchraum einsehen. Der Bruchsackinhalt wird bei der Bauchspiegelung von innen aus dem Bauchwandbruch wieder in den Bauchraum hineingezogen. Ist dies erfolgt, wird die Lücke mit einem Kunststoffnetz verschlossen.

Prognose

Bruchoperationen gehören zu den häufigsten chirurgischen Maßnahmen. Zweitoperationen sind oft schwieriger und haben eine etwas höhere Komplikationsrate. Sobald im operierten Bruchbereich eine gute Stabilität erreicht ist, besteht wieder volle Belastbarkeit. Abhängig von der gewählten Operationsmethode kann die Leiste bereits nach 7-10 Tagen ( laparoskopische Verfahren) oder erst nach 8-12 Wochen ( offene OP-Verfahren) wieder belastet werden, bis sich im operierten Bruchbereich eine gute Stabilität ergibt. Meistens verlassen die Patienten das Krankenhaus am Operationstag nach regionaler Anästhesie, bzw. nach Operationen in Allgemeinanästhesie bereits 3-4 Tage nach der Operation und können (je nach körperlicher Belastung) nach 7-10 Tagen wieder arbeiten.

Dies ist jedoch weiterhin eine gefährdete Stelle, was erneute Bruchbildungen betrifft. Im Anschluss an die Operation muß daher für die Dauer von ca. 3 Wochen eine Bauchbinde Klasse II bei Belastung getragen werden. Ein Bruchrezidiv kann besonders dann auftreten, wenn eine starke Belastung auf die Bauchdecke einwirkt, z.B. bei schwerem Heben, starkem Husten und intensiv ausgeübtem Sport. Zu hohes Körpergewicht kann ebenfalls zu einem Wiederauftreten der Hernie führen. Erneute Brüche sind in den ersten zwei Jahren nach der Operation am häufigsten.

Hinweise: Vor der Operation: Möglicherweise müssen die Gerinnung störende Medikamente vor der Operation in Absprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Dies betrifft unter anderem Marcumar® und Aspirin®.