Endoskopie Chirurgie München
Fachärztliche Praxis Barbara Herter
 
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Spektrum

Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)

Gallenblasenentzündung CholezystitisDie Gallenblase speichert die von der Leber produzierte Gallenflüssigkeit um sie bei Bedarf dem Nahrungsbrei zuzufügen. Durch zu starke Eindickung können sich Gallensteine bilden. Gallensteine treten häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Bei ca. 25% der Gallensteinträger kommt es zu einer Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis). Die meisten Gallenblasenentzündungen werden durch Steine verursacht. Bei chronisch vernarbender Gallenblasenentzündung kann sich eine Schrumpfgallenblase und in seltenen Fällen, Gallenblasenkrebs entwickeln.

Bei besonders schwerer Entzündung kann es zu einem Gallenblasendurchbruch mit Austritt von Flüssigkeit in die Bauchhöhle kommen, wodurch eine Bauchfellentzündung entsteht (gallige Peritonitis). Besonders kleine Gallensteine (Gries) können die Gallengänge verstopfen. Durch einen Verschluss des Gallenganges kann die Gallenflüssigkeit nicht mehr abfliessen. Wird durch Konkremente der Hauptgallengang oder die Einmündung in den Zwölffingerdarm verlegt, kann es durch Aufstau zu einer Entzündung der Gallengänge (Cholangitis) und Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) kommen. Es kommt zu Gelbfärbung der Haut (Ikterus), entfärbtem Stuhl (ocker-gelblicher Stuhl) und dunkelbraunem Urin. Hierdurch kann sich ein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln.

Beschwerden (Symptome)

  • drückende, zum Teil krampfartige Schmerzattacken mit einer Dauer von mehreren Minuten (sog. Gallenkolik)
  • Schmerzen im rechten Oberbauch mit Ausstrahlung in den Rücken und rechte Schulter
  • Schmerzen und Beschwerden, die bei oder nach dem Essen entstanden sind, vor allem nach dem Genuß fettiger Speisen
  • evtl. Übelkeit, Erbrechen
  • Gelbfärbung der Haut (Ikterus), brauner Urin, ockerfarbener Stuhl deuten auf zusätzliche Komplikationen hin (Stauung der Gallenwege, Gallenblasenentzündung u.a.) und bedürfen einer sofortigen ärztlichen Untersuchung
  • Fieber und Schüttelfrost

Diagnostik

Oft geben die Symptome und die Vorgeschichte des Patienten schon Hinweise auf eine Gallenblasenerkrankung.

  • Ultraschalluntersuchung: hierbei lassen sich Gallensteine sehr gut darstellen
  • Laboruntersuchung
  • Computertomographie des Bauches bei Verdacht auf einen Gallenblasendurchbruch
  • Spiegelung der Gallengänge (ERCP) mit einem Endoskop, einem optischen Gerät, das über Mund, Magen und Darm in die Gallenwege eingeführt wird
  • Magenspiegelung (Gastroskopie) zum Ausschluss von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren.
Galle ERCP Endoskopie   Galle Ultraschalluntersuchung
Endoskopie   Ultraschall

Therapie

Viele Menschen haben Gallensteine in ihrer Gallenblase, ohne dies zu wissen. Dies ist auch völlig belanglos, da symptomlose Gallensteinträger nicht behandelt werden müssen. Bei komplikationslosen, gelegentlichen Beschwerden genügt meist eine Behandlung mit Schmerzmedikamenten. Zusätzlich sollte man sich für einige Tage mit fettigen Speisen etwas zurückhalten. Dasselbe gilt für den Alkoholkonsum. Es existieren Medikamente, die steinauflösend wirken können. Es ist jedoch bekannt dass die Steine wiederauftreten, sobald man die Medikamente absetzt und es zudem beim Abgang dieser Konkremente zu einem Gangverschluss kommen kann. Ausserdem können kalkhaltige Steine medikamentös nicht aufgelöst werden. Die Anwendung solcher Medikamente hat heutzutage daher kaum noch eine Berechtigung.
Bei wiederholten Gallenblasenbeschwerden, Gallengangssteinen oder Gallenblasenpolypen ist die operative Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) angezeigt. Eine alleinige Entfernung der Gallenblasensteine wird seit Jahrzehnten nicht mehr durchgeführt, da sich in der belassenen Gallenblase sofort wieder neue Steine bilden, da diese ursächlich am Gallensteinleiden beteiligt ist. Die Entfernung der Gallenblase ist die einzige Therapie, die gewährleistet, dass es zu keiner Steinbildung mehr kommt.

Operation

Es gibt zwei Operationsmöglichkeiten, die beide in Vollnarkose erfolgen.

Minimalinvasive Gallenblasenentfernung (Cholezystektomie)
Heutzutage erfolgt die Gallenblasenoperation routinemäßig auf laparoskopischem Weg (mittels Bauchspiegelung). Die Operation besteht in der Entfernung der Gallenblase. Hierbei wird mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie) über einen kleinen Schnitt am Bauchnabel ein optisches Gerät (Laparoskop) an dessen Ende eine kleine Videokamera und eine Lichtquelle sitzen, in die Bauchhöhle eingeschoben. Um das Bauchgewölbe aufzuspannen und die Sicht zu verbessern, wird CO2-Gas eingeblasen. Benötigte Instrumente werden über zwei bis 3 weitere, kleine 5-10 mm lange Einschnitte in den Bauchraum eingeführt. Das Bild der Mini-Kamera wird live auf einem Monitor dargestellt und der Operateur kann den gesamten Bauchraum einsehen. Die Gallenblase wird mitsamt innen liegender Steine herausgeschnitten und über die Nabelöffnung entfernt. Der Eingriff dauert zwischen 20 – 40 Minuten.

Offene Gallenblasenentfernung (Cholezystektomie)
Liegen im Operationsgebiet durch Voroperationen starke Verwachsungen vor oder bei bestimmten Vorerkrankungen (Blutgerinnungsstörungen, Herz-Lungenerkrankungen) kann die Entfernung der Gallenblase nur mittels Bauchschnitt (Laparotomie) durchgeführt werden. Nach einem Bauchschnitt im rechten Oberbauch wird dabei die Gallenblase abgetrennt und entfernt. Ebenso können andere Ursachen wie eine stark vergrößerte, vernarbte Gallenblase, sehr große Steine oder Komplikationen es manchmal notwendig machen, von der Gallenoperation durch Bauchspiegelung auf die offene Methode umzusteigen.
Bei Gallensteinen, die sich in den Gallengängen befinden, können diese Steine heute mittels ERCP vor oder nach der Operation entfernt werden. Ist dies nicht möglich muss der betroffene Gang während der Operation aufgeschnitten, die Steine herausgeholt und eine spezielle Drainage (T-Drainage) eingelegt werden. Diese dient dem Ableiten der Gallenflüssigkeit nach außen.

Prognose

Meistens verlassen die Patienten das Krankenhaus bereits 3-4 Tage nach der Operation und können (je nach körperlicher Belastung) nach 7-10 Tagen wieder arbeiten. Nach dem Entfernen der Gallenblase treten normalerweise keine Gallensteine mehr auf. Die Gallenblase kann bedenkenlos entfernt werden, da sie lediglich ein Reservoir für die in der Leber gebildete Galle ist. Wenn die Gallenblase fehlt, wird die Galle auf direktem Weg von der Leber in den Dünndarm befördert, sodass die Verdauung problemlos gewährleistet ist. Eine besondere Ernährung ist nicht erforderlich. Weltweit werden jährlich mehrere Hunderttausend Gallenblasen entfernt. Es leben Millionen von Menschen ohne Gallenblase.

Hinweise: Vor der Operation: Möglicherweise müssen die Gerinnung störende Medikamente vor der Operation in Absprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Dies betrifft unter anderem Marcumar® und Aspirin®.